Mit manchen Adjektiven ist das so eine Sache: Wir benutzen sie immer wieder, dabei gibt es sie eigentlich gar nicht.
Z.B. „freigiebig“. Schön, wenn wir in diesen Zeiten des Sparens noch ein menschliches Exemplar erleben, das diese Charakterisierung verdient (noch schöner, wenn das der eigene Chef ist) — aber auch bei lauter Ver- und Bewunderung ist doch bitteschön sprachliche Genauigkeit gefragt: Sprachgeschichtlich gerechtfertigt ist nämlich nur „freigebig“ (von gebig/gäbig = gerne gebend). „Freigiebig“ wird in falscher Analogie zu „ergiebig“, „ausgiebig“, „nachgiebig“ gebildet, ist aber — wie gesagt — falsch.
Und wie ist das nun mit fremdsprachig/fremdsprachlich? Hier existieren beide Begriffe, sie haben aber unterschiedliche Bedeutungen. „Fremdsprachig“ bedeutet „sich in einer fremden Sprache bewegend“, z.B.: fremdsprachige Bevölkerungsteile, fremdsprachige Literatur, fremdsprachiger Unterricht (wie etwa in englischer Sprache erteilter Gemeinschaftskundeunterricht in bilingualen Schulklassen). „Fremdsprachlich“ bedeutet dagegen „eine fremde Sprache betreffend“/„zu einer fremden Sprache gehörend/aus einer fremden Sprache kommend“ verwendet: z.B. fremdsprachliche Wörter im Deutschen, fremdsprachlicher Unterricht (Unterricht in den Fächern Englisch, Französisch usw.). Eine Unterschiedsnuance also, die aber dennoch wert ist, beachtet zu werden.
Für die Behebung solcher Zweifelsfälle in Sachen Sprache ist übrigens der Duden Nr. 9 „Richtiges und gutes Deutsch“ zuständig — und auch für „Sprachlaien“ gut verständlich.
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