Dass das Privatfernsehen für Zuschauer nun nicht gerade dazu geeignet ist, sich sprachlich fortzubilden – es sei denn, man möchte seinen Wortschatz um Four-Letter-Words und Szenesprache bereichern – weiß ja eigentlich jeder. Trotzdem war die Unterzeichnerin überrascht, in nur einer Sendung von "Germany’s Next Top Model" den Niedergang der deutschen Sprache so deutlich vor Augen geführt zu bekommen.
Aber nichts ist doch so grässlich, dass man davon nicht noch etwas lernen (und einen Sprachtipp daraus machen) könnte …
Wenn etwa Rolfe (der deutsche Pseudo-Franzose Rolf mit den weichen Rundungen und Endungen) sagt: "Diese Designermode wird von Königshäusern getragen", dann sollten wir eigentlich vor Ehrfurcht erstarren: Sicherlich hat er keinen Fehler gemacht (man stelle sich die sperrigen Häuser in Designerware vor), sondern ganz bewusst das elegante Stilmittel der Synecdoche (Unterart: Totum Pro Parte) benutzt.
Auch die "Experten" in der Sendung – in diesem Fall eine Designerin (mit Deutsch als Muttersprache) – sind offensichtlich ausschließlich Mode-Experten, die nur in ihrer Freizeit sprechen müssen:
| "Sie können die verschiedensten Charakter sein." (Fehlleistungen im Numerus und in der Semantik) | |
| "Sie hat die couturige Attitude." (Hauptsache irgendwie französisch) | |
| "Trotzdem dass du sehr hübsch bist." (Passend dazu hätte ich eigentlich "das" schreiben müssen. Rettet das einfache "obwohl"!) | |
Heidi selbst ist natürlich auch ein Knaller. Ist es die viele Herum-Jetterei und das Leben in der deutschen Sprach-Diaspora oder gar ihre Kindheit und Jugend in der Sprach-Metropole Bergisch Gladbach (die Leser/innen aus NRW mögen mir verzeihen) – was ist es, das Frau Klum (laut Roger Willemsen "Eine unschöne Frau mit laubgesägtem Gouvernanten-Profil") zu solchen sprachlichen Fehltritten treibt:
| "Heute haben wir einen spezialen Gast für euch." (Anglizismus/False Friend – dafür haben wir im Deutschen doch ein speziales Wort!) | |
| "Auf dem Laufsteg gefällst du mir besser als wie auf dem Foto." (lieber doppelt als einfach falsch) | |
| "Ich habe gesehen, wie du geleidet hast." (Und wie sehr wir Zuschauer erst geleidet haben …) | |
Nein, Heidi, leider habe ich heute kein Foto für dich …
Von so viel Sprachinnovationen erstaunt ebenso wie inspiriert, bleibt mir nur, mit Maria (erst mit roter Faschingsperücke verunstaltet, dann rausgeworfen) zu sagen: "Davon bin ich ganz überrempelt!"
Ach so: Warum ich mir das alles überhaupt angetan habe? Ich sei entschuldigt – ich habe Kinder, die ich diese Sendung doch auf keinen Fall allein ansehen lassen darf ;-)
Ihre Heike Virchow




