Nicht alles ändert sich mit der Reform der Reform: Kommas gibt es natürlich auch weiterhin. Hier sind die bisherigen Regelungen jedoch – meiner Ansicht nach sehr sinnvoll – präzisiert worden.
1) Reihung von selbstständigen Sätzen
Bei der Reihung von selbstständigen Sätzen, die durch und, oder, beziehungsweise/bzw., entweder – oder, nicht/weder – noch verbunden sind, kann man ein Komma setzen, um die Gliederung des Ganzsatzes deutlich zu machen.
Beispiele:
| - | Der Personalchef kam endlich(,) und das Gespräch mit der neuen Mitarbeiterin konnte fortgesetzt werden. |
| - | Entweder er reist morgen nach London(,) oder er feiert doch noch den Geburtstag seines Sohnes mit. |
| - | Nicht einmal mir hat er etwas davon erzählt(,) noch hat er irgendwen sonst informiert. |
2) Infinitivgruppen
Infinitivgruppen werden mit Komma abgegrenzt, wenn EINE der folgenden Bedingungen erfüllt ist:
a. Die Infinitivgruppe ist mit um, ohne, statt, anstatt, außer, als eingeleitet. Beispiele:
| - | Der Vertriebsleiter stand auf, um mit seiner Präsentation zu be- ginnen. |
| - | Die neue Geschäftführung entlässt Leute, ohne sich ihre bisherigen Leistungen genau anzusehen. |
| - | Ihr fiel nichts Besseres ein, als zu kündigen. |
Beispiel:
Er wurde beim Versuch, zwei Päckchen Zigaretten zu stehlen, vom Kaufhausdetektiv erwischt.
c. Die Infinitivgruppe hängt von einem so genannten Korrelat oder einem Verweiswort ab.
Beispiele:
| - | Mein Chef hasst es, allzu sehr den Chef herauszukehren. |
| - | Keiner hatte damit gerechnet, ihn nach dem Urlaub wiederzusehen. |
| - | Lange Reden zu halten, das ist nicht seine Sache. |
Liegt ein bloßer Infinitiv vor, kann in den Fällen 2 b und c das Komma entfallen, sofern dann keine Missverständnisse entstehen. Beispiele:
| - | Er wurde beim Versuch(,) wegzulaufen, vom Kaufhausdetektiv erwischt. |
| - | Sie dachte nicht daran(,) zu gehen. |
In Sätzen mit Infinitiv, die nicht unter 2 a bis c geregelt sind, kann ein Komma gesetzt werden, wenn dies die Gliederung des Satzes deutlicher macht und dazu beiträgt, Missverständnisse auszuschließen.
Bei all den Kommaregeln sollten Sie jedoch nicht die anderen Zeichen vergessen, die einen Satz sehr schön gliedern und dem Leser Atempausen ermöglichen: den Doppelpunkt und das Semikolon. Doch dazu ein andermal mehr.
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