Viele von uns sind so für sprachliche Feinheiten sensibilisiert (worden), dass sie orthografische Probleme dort vermuten, wo es keine gibt – und, quasi zur Sicherheit, Regeln anwenden, die aber in dem spezifischen Fall gar nicht gelten oder überhaupt nicht existieren. "Hypercorrectness" heißt das Phänomen international.
Die Regeln der neuen Rechtschreibung zur Getrennt- und Zusammenschreibung scheinen die Menschen besonders verunsichert zu haben:
Diese Punkte werden wir für einen späteren Vergleich heran ziehen (statt: heranziehen). Alle Unterlagen müssen nach Projektabschluss wieder an den Auftraggeber heraus gegeben werden (statt: herausgegeben).
In vielen Texten finden sich auseinander gerupfte Begriffe aus Präposition + Verb (wie hier "heran" und "heraus" + Verb), dabei schreibt keine Regel der neuen Rechtschreibung vor, dass solche Begriffe auseinander geschrieben werden müssten. Woher kommt die Verwirrung? Viele Schreiber leiten aus der neuen Regel, dass alle Verbindungen mit "sein" getrennt geschrieben werden – also z.B. „da sein“, "hinüber sein" – die Regel ab, Präpositionen müssten generell und von jedem Verb getrennt geschrieben werden. Die Regel, dass bestimmte Adverbien im Zusammenhang mit Verben für Getrenntschreibung sorgen (s.o. "-einander", aber auch z.B. "-wärts", "überhand", "zugute"), scheint ein Übriges zu tun, weil viele Schreiber damit überfordert sind, auf den Unterschied zwischen Adverb und Präposition zu achten.
Und wie heißt der Genitiv von "Virus" (wie in: Der Radius des neuen Grippe-Vir....)? „Virii“ antworten die Hyperkorrekten, die schon mal was von lateinischen Deklinationen gehört haben und die gelernten Lektionen auf alle Substantive auf -us anwenden wollen. Richtig ist: auch "Virus" ("Virus" zählt zur U-Deklination).
Was hilft gegen Hypercorrectness? Der Duden. Im Zweifel beim entsprechenden Worteintrag nachsehen oder bei den allgemeinen Rechtschreibregeln – in der neuesten Duden-Ausgabe ab Seite19.
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