Warum fließen manche Texte eigentlich so besonders gut, während man beim Lesen anderer Texte das Gefühl hat, der Autor habe bei jedem Satz neu Luft geholt und irgendwie mitten im Erzählen die Perspektive gewechselt?
Neben vielen anderen stilistischen Feinheiten zeichnen sich besonders flüssige Texte dadurch aus, dass die Satzfolge nach "Thema" und "Rhema" strukturiert wurde.
Das Thema ist die Ausgangsinformation in einem Satz, das Rhema die neue Information, die hinzukommt. Ein Beispiel:
"Bis Mitte September behaupteten sich unsere Aktien sehr erfolgreich auf dem Kapitalmarkt, dann jedoch erlebten wir einen Kurssturz. Vermutlich hatte der steigende Ölpreis diesen Kurssturz ausgelöst."
Thema des ersten Satzes sind zunächst die Aktien, das Rhema – die zusätzliche, neue Information – ist der Kurssturz. Im zweiten Satz kommt ein weiteres Rhema hinzu, der Ölpreis, und zwar gleich anschließend an das erste Rhema. Vergleichen Sie die beiden Sätze doch mit den folgenden:
"Bis Mitte September behaupteten sich unsere Aktien sehr erfolgreich auf dem Kapitalmarkt, dann jedoch erlebten wir einen Kurssturz. Er wurde vermutlich vom steigenden Ölpreis ausgelöst."
Wie unterscheidet sich dieser zweite Satz vom zweiten Satz oben? Hier wird nicht sofort ein weiteres Rhema eingeführt, sondern mit "Er" an das Rhema des ersten Satzes, den Kurssturz, angeknüpft. Das heißt: Im zweiten Satz ist das Rhema des ersten Satzes zum Thema (und gleichzeitig) zum Subjekt des zweiten Satzes geworden. Gleichzeitig konnte die Wiederholung von "der Kurssturz" vermieden werden. Kleine Änderung, große Wirkung: Der Absatz wird wesentlich ruhiger, wirkt in sich schlüssiger – man liest (im positiven Sinne) über den Satz hinweg.
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