Nein nein, nicht nur in Amtsstuben findet man ihn immer noch: den liebevoll gepflegten Nominalstil, der in akuter Häufung zum "Amtsdeutsch" wird.
Auch in Wirtschaftstexten erfreuen sie sich einer konstanten Beliebtheit: Begriffe mit -ung, im schlimmsten Fall zusätzlich garniert mit dem Un-Verb "erfolgt" (siehe Titel; "die Durchführung erfolgt" ist - leider - ein "echtes" Beispiel aus dem Textpertise-Alltag - aber was soll ich klagen, sonst bräuchte man mich ja nicht!).
Dabei gibt es doch verständlichere (und kürzere) Alternativen:
Vorher: Die Überprüfung der Regeleinhaltung wird regelmäßig von den Verantwortlichen durchgeführt.
Nachher: Die Verantwortlichen überprüfen regelmäßig, ob die Regeln eingehalten werden.
Vorher: Die Vorlage der Kontrollrechnungen erfolgt jeweils monatlich durch die Abteilung Controlling.
Nachher: Die Abteilung Controlling legt ihre Kontrollrechnungen monatlich vor.
Warum ist das "Nachher" so viel schöner und lesbarer? Das starke Verb macht's. Und die Formulierung im Aktiv. Hier werden Ross und Reiter genannt und es wird genau gesagt, was getan wurde - mit einem starken Verb ("überprüfen" statt "durchgeführen", "vorlegen" statt "erfolgen").
Probieren Sie's einfach mal beim nächsten Text, der vor Ihnen entstehen soll, und machen Sie die Probe:
| 1. Ist das Subjekt eine handelnde Person oder eine Gruppe von Personen? | |
![]() |
2. Haben Sie ein starkes Verb benutzt? |
![]() |
3. Haben Sie jedes "-ung" überprüft und ggf. ersetzt? |
Wenn Sie dann dreimal "ja" sagen können, bravo. Dann sind Sie ein gutes Stück weiter als der Journalist, der ernsthaft - völlig unverständlich und frei interpretierbar - titelte: "Staatliche Verteuerung erfordert internationale Abstimmung" (Wir können die Preise ruhig anheben, wenn es alle tun?)
![]() |
Alle Sprachtipps 2004 mit Themen |




